UJF über sadistische PR-Aktivitäten







Der Faxist (auch: gemeiner Zeiträuber)


Dieser Fernkopie-Fetischist hat Satan geschworen, das elektronische Faksimile in die Epoche der E-Mail hinüberzuretten. So versendet er Einladungen zu Pressekonferenzen grundsätzlich per Attachment, also als an die E-Mail angehängtes papierloses Faxantwort-Formular, das sich nur mittels eines Plug-Ins oder eines bestimmten Programms betrachten lässt. Ziel dieser Täter ist stets, den Empfänger aus seinem Arbeitsrhythmus zu reißen und ihn zu zeitraubenden Aktionen zu nötigen, die eigentlich völlig überflüssig sind. Der Faxist bemüht sich dabei, aufzufallen, und zwar möglichst unangenehm. So bleibt er dem Empfänger schön lange im Gedächtnis und kann sich darauf freuen, dass sich dieser jedesmal ärgert, wenn er eine neue Mail bekommt.


Nur mäßigen Quälerfolg erzielen dabei die sogenannten Word-Faxisten. Sie hängen zwei mit Microsoft Office erstellte Dokumente an – eine Einladung und ein Antwortformular. Der nicht masochistisch veranlagte Empfänger weiß sich aber zu wehren: Er druckt den Schmonzes nicht aus, sondern schreibt einfach seine Antwort (typischerweise „ich komme nicht und will auch keine Pressemappe“) in das Word-File hinein, welches er sodann – wiederum als Attachment und am besten in fünffacher Ausfertigung – an den Absender zurückexpediert. Eine beliebte Methode, Word-Faxisten auflaufen zu lassen, ist auch die Antwort-Mail: „Wenn Sie wollen, dass ich Ihre Mails lese, schicken Sie mir Klartext! Word-Anhänge enthalten sowieso immer Makro-Viren, warum sollte ich sie also öffnen?“


Weitaus größeres sadistisches Talent beweisen die sogenannten acrobatischen Faxisten, auch PDFaxisten genannt. Sie versenden ihre Einladungen, Fragebögen und dergleichen im „Portable Document Format“, das nur mittels des Acrobat Reader von Adobe darstellbar ist. Das zwingt den Empfänger, den Krempel auszudrucken und von Hand auszufüllen. Der PDFaxist hat es dabei in erster Linie auf Anhänger von PC-Faxsoftware abgesehen: Diese Klientel hat ihren allnächtlich unter lautem Gepiepse und Geratter Reklame für 0900er-Nummern und Plastik-Gummibäume ausspuckenden Telekopierer abgeschafft und erledigt die unvermeidliche Rest-Faxerei am Computer. Will so jemand ein Fax verschicken (wozu ihn der gemeine PDFaxist nötigt) muss er das allein zu diesem Zweck ausgedruckte Blatt in den Scanner legen, um sein handschriftliches Gekritzel zurück in den Computer inzuputten, die Scanner-Software starten, hier und im Druckermenü „Fax“ auswählen, die Nummer des Faxisten eintippen und den Zettel (der ihn für 10 Cent Druckertinte gekostet hat) in den Reißwolf schieben (Puuuuhhhh!!!).

Das Resultat: ein Zeitaufwand von einigen Minuten, verglichen mit zehn Sekunden fürs Beantworten einer E-Mail per Klick auf die Schaltfläche „Antwort“. Bei Empfängern, die am Tag 120 Mails bekommen, ist das eine besonders probate Art, sich nachhaltig in schlechte Erinnerung einzubrennen. Sie brauchen Ihr Opfer nur am nächsten Tag anzurufen und zu fragen: „Haben Sie auch unsere Einladung erhalten?“ Und schon haben Sie ihn zuverlässig auf Hundertachtzig.




Ähnlichkeiten mit wahren Begebenheiten sind nicht zufällig, gelegentliche Selbsterkenntnis durchaus beabsichtigt ;-)



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